Erfahrungsberichte

Ehemalige Zivis und FSJler über ihre Erfahrungen bei der Lebenshilfe.

Eric über seine Betreuungssituation:

Ich betreue einen 10-jährigen Jungen mit autistischen Zügen namens Kevin. Seine Behinderung äußert sich durch apathische Phasen, in denen er nicht aktiv am Unterricht teilnimmt. Meine Aufgabe ist es, Kevin immer wieder aus dieser Traumwelt heraus zu holen, damit er gemäß seinen Fähigkeiten (er kann ein wenig Lesen und Rechnen) beim Unterricht mitarbeitet. Bei meiner Arbeit motivieren mich vor allem die häufig vorkommenden Erfolgsmomente, in denen er mich mit seinen Wissen bzw. seiner Auffassungsgabe positiv überrascht.
Eine echte Herausforderung sind seine Stimmungsschwankungen. Wenn er unzufrieden ist (manchmal ohne offensichtlichen Grund) neigt er zu autoaggressivem Verhalten und schreit. Mit ein wenig Geduld und pegelfesten Ohren ist dies jedoch gut zu meistern.


Freddy über seine Betreuungssituation:

Ich betreue Christoph, einen 17-jährigen Jungen mit Epilepsie, der einen Helm trägt, weil er während seiner Anfälle meistens hinfällt. Diese Anfälle kommen sehr unregelmäßig vor und sind nicht immer vorhersehbar. Deshalb ist es notwendig, ihn ständig (vor allem in den Pausen) im Auge zu behalten, um ihn bei einem Anfall möglichst aufzufangen. Außerdem lässt er sich leicht provozieren und muss auch dann gelegentlich festgehalten werden, bis er sich wieder beruhigt hat. Abgesehen von der Unterstützung im Unterricht kommen keine weiteren Aufgaben auf Christophs Betreuer zu, aufgrund seines gesunden Bewegungsdranges wird es jedoch kaum langweilig.


Antje über ihre Betreuungssituation:

Ich betreue Melanie in der Schule Paracelsusstraße in Farmsen. Melanie besucht eine Klasse für Mehrfachschwerstbehinderte (MF-Klasse). Die Schule Paracelsusstraße ist eine Sonderschule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. Die MF-Klassen haben keinen klassischen Unterricht, sondern bieten verschiedene auf die Kinder zugeschnittene Therapien an, wie z.B. Reiten, Schwimmen, Physiotherapie. Melanie ist ein Mädchen mit einer schweren geistigen Behinderung. Ihr Verhalten ist sehr auffällig, sehr schwankend und verändert sich schlagartig situationsbedingt. Es ist schwierig mit ihr zu kommunizieren, da sie nicht spricht und sich nicht ausdrücken kann. Melanie wird gewickelt und bei der Nahrungsaufnahme muss ihr geholfen werden. Sie ist sehr liebevoll und verspielt. Während meiner Betreuungszeit habe mit ihr sehr viel Spaß und Freude gehabt.


Sören über seine Betreuungssituation:

Ich betreue einen 14-jährigen Autisten namens Lasse und eine 17-jährige Autistin namens Kristina. Mein Tag fängt um 9:15 Uhr an und endet um ca. 15:20 Uhr. Kristina kann sprechen, allerdings spricht sie nur, wenn man sie etwas fragt. Lasse hingegen kann nicht sprechen und teilt sich aus diesem Grund über Gestik und Mimik mit. Er wird dabei gelegentlich auch mal etwas aggressiv, das heißt er versucht durch kneifen zu kommunizieren. Deine Aufgabe besteht darin, Lasse und Kristina im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu fordern und zu fördern. Dies bringt sehr viel Spaß mit sich, da beide körperlich sehr fit sind und man dadurch zwischendurch auch mal mit ihnen zum Beispiel Fahrrad fahren kann. Hauptsächlich geht es letztendlich darum die Konzentrationsphasen der beiden bei Arbeiten zu fördern.


Julian über seine Betreuungssituation:

Ich heiße Julian und betreue Milomir, einen 9-jährigen nichtsprechenden Autisten. Zusätzlich zu den autistischen Zügen ist er in einem Zustand ständiger Ruhelosigkeit, also permanent in Bewegung. Milomir ist ein sehr liebenswürdiger und meistens ausgesprochen fröhlicher Junge. Die Herausforderung bei seiner Betreuung liegt zum einen darin, dass er in seinem Handeln völlig unselbständig und unreflektiert ist, man also immer voll aufmerksam sein muss, damit er sich nicht selbst verletzt. Zum anderen besitzt er weder die Möglichkeit sich sprachlich noch durch Gestik auszudrücken, wenn er Schmerzen hat oder ihn etwas anderes stört. Er kann dann nur durch Schreien und Weinen auf sich aufmerksam machen. Dieser Zustand hält so lange an, bis man (manchmal auch nur gemeinsam mit den Pädagogen) die Ursache gefunden hat. Mit der Zeit gelang es mir aber besser und besser, Milomirs Bedürfnisse auch ohne Sprache zu erkennen, um ihn optimal im Schulalltag unterstützen zu können und wir haben jetzt immer viel Spaß miteinander.


Katharina über ihre Betreuungssituation:

Alam ist 7 Jahre alt und besucht die erste Klasse der Raphaelschule in Klein Flottbek. Alam hat eine schwere geistige wie auch körperliche Behinderung. Er muss gewickelt und gefüttert werden und braucht auch sonst sehr viel Unterstützung. Alam sitzt im Rollstuhl und kann sich aufgrund seiner spastischen Lähmung nicht bewegen. Er kann auch nicht sprechen, aber wenn er glücklich ist lacht er sehr viel.


David über seine Betreuungssituation:

Ingo ist ein Kind mit Autismus. Er kann nicht richtig sprechen und hat eine kleine Gehbehinderung. Gelegentlich hat er auch Anfälle. Ingo kann selbständig essen. Lediglich beim Schneiden von Speisen und beim Einschenken von Getränken benötigt er Hilfe. Ingo spielt sehr gern draußen auf dem Schulhof. Am liebsten schaukelt er und er puzzelt auch sehr gern. Ingo speichelt ein wenig, daher ist es sinnvoll, ein Tuch griffbereit zu halten, zudem muss er gewickelt werden, da er nicht selbständig zur Toilette gehen kann. Derzeit wird mit ihm aber ein Toilettentraining durchgeführt, was zum Ziel hat, dass er sich durch Zeichen bemerkbar machen kann, sofern er auf die Toilette muss. Nur selten ist die Betreuung von Ingo sehr anstrengend. Auf Ausflügen, die meist mit Bus und Bahn bewältigt werden, ist es erforderlich auf Ingo Acht zu geben, da dieser sich für alles interessiert und gern ausprobiert. Ansonsten ist noch zu sagen, dass Ingo viel Aufmerksamkeit benötigt und dass man sich intensiv mit ihm beschäftigen sollte.

Joshua über seine Betreuungssituation:

Den Zivildienst bei der Lebenshilfe Hamburg habe ich als eine sehr positive Zeit empfunden. Meine Aufgabe war die Schulbetreuung eines 12-Jährigen Mädchens mit Down-Syndrom. Anfangs war es zwar nicht ganz so leicht von Nicole angenommen zu werden, doch mit der Zeit baute sich ein gutes Verhältnis zwischen uns auf. Sehr erfreulich war, dass man merkte, mit seiner Arbeit etwas zu erreichen

Moritz K. über seine Betreuungssituation:

Meine Name ist Moritz K., ich bin 19 Jahre alt und betreue derzeit einen 17-jährigen Jungen türkischer Herkunft. Der Name dieses Jungen ist Cihan. Cihan ist ein Autist, der mit der Verdreifachung des 21. Chromosoms (Down-Syndrom) geboren wurde und zusätzlich bei der Geburt an Sauerstoffmangel litt. Diese multiple Behinderung führt dazu, dass Cihan nicht in der Lage ist zu sprechen und sich auch sonst nur schwer mitteilen kann. Dies macht die Arbeit hin und wieder sehr schwierig, da man sich nie sicher sein kann was Cihan will und was nicht. Seine motorischen Fähigkeiten und sein Aufnahmevermögen sind ebenfalls sehr eingeschränkt, was dazu führt, dass Cihan am regulären Unterricht nicht teilnimmt, sondern durch mich Einzelunterricht erhält. Ich gehe regelmäßig mit ihm in den schulischen "Plantschraum", da Cihan es liebt im Wasser zu spielen. Außerdem liebt er es Musik zu hören und dazu zu tanzen oder sich auf dem Spielplatz zu beschäftigen. Es gibt also keine konkrete Wochenplanung, was die Arbeit zum einen interessant und abwechslungsreich macht, aber auch mehr selbständige Organisation des Zivis mit sich bringt. Cihan nimmt einmal wöchentlich an der Krankengymnastik teil, um seine motorischen Fähigkeiten zu verbessern. Derzeit ist Cihan in der Abschlussklasse und wird wahrscheinlich nach der Schule in eine Tagesförderstätte gehen. Die Arbeit mit Cihan wird dadurch erschwert, dass er gern andere Personen kneift, hängende Gegenstände runter reisst und alles essbare isst – man muss daher immer ein Auge auf Cihan haben. Die Betreuung von Cihan war sehr interessant und die kleinen Dinge die ich im beigebracht habe, waren jedes Mal eine neue Motivation. Seine Lebensfreude und seine, nennen wir es mal, eigene, humorvolle Art ließen mich die gelegentliche Hilflosigkeit in der Betreuung und das anfangs lästige Wickeln dieses Jungen schnell vergessen. Während des Zivildienstes habe ich Cihan lieb gewonnen und der Zivildienst hat mein damaliges Bild über behinderte Menschen revolutioniert.


Dennis über seine Betreuungssituation:

Ich heiße Dennis und betreue einen 18 Jahre jungen Mann, der in die zehnte Klasse der Schule Tegelweg geht. Tim ist körperlich stark eingeschränkt, er sitzt im Rollstuhl und hat einen offenen Rücken. Sein Oberkörper ist leicht verschoben, weswegen er sehr viel Zeit zum Essen und Trinken braucht. Ich bin hauptsächlich dafür da, um Tim zu füttern und vor allem darauf zu achten, dass er genug trinkt. Da Tim auch geistig behindert ist und Schwierigkeiten mit dem Sprechen hat, nimmt er am Unterricht eher passiv teil. Ich betreue Tim noch nicht sehr lange, durfte ihn aber als fröhlichen Jungen kennenlernen.
Zuvor habe ich Robina, ein 15 Jahre altes Mädchen betreut, die geistig und körperlich behindert ist. Sie besucht ebenfall die Schule Tegelweg, weil man dort besser auf ihre körperliche Behinderung eingehen konnte. Robina war, im Gegensatz zu Tim, aktiver und brauchte deutlich mehr Aufmerksamkeit von ihrer Eingliederungshilfe. Ich musste sie wickeln, ihr beim Essen helfen, mit ihr Unterrichtseinheiten gestalten, da sie den regulären Unterricht oft nicht verstehen konnte. Sie hatte oft keine Lust zu arbeiten und sollte durch ihren Zivi motiviert werden, etwas zu tun. Auch wenn es zeitweise sehr anstrengend war, empfand ich dies jedoch nicht als belastend. Robina war, ähnlich wie Tim, ein sehr netter Mensch, den ich gern kennengelernt habe. Mir hat die Zeit mit ihr in der Schule sehr viel Spaß gemacht.


Björn über seine Betreuungssituation:

Ich betreue einen 5-jährigen Autisten namens Deniz. Deniz Wahrnehmung ist gestört. Er läuft sehr oft weg. Wenn man ihm dann zuruft, reagiert er nicht. Deniz spricht kaum und wenn, dann nur wenig gezielt. Deniz beißt sich in den Handrücken, wenn er seinen Willen nicht durchsetzen kann oder er sich ärgert. Zu erwachsenen Menschen baut Deniz Beziehungen auf, was für Autisten ungewöhnlich ist.

 Björns Tagesablauf:

Mein Arbeitstag beginnt meistens um 09:30 Uhr. Deniz ist dann eigentlich immer schon in der Kita. Zu Beginn machen wir mit allen Kindern einen Morgenkreis, in dem gesungen wird und die Einteilung in Kleingruppen erfolgt. Im Anschluss machen wir oftmals Vorschularbeit. Hierbei nimmt Deniz so weit es geht teil, damit er sich langsam an den späteren Alltag in der Schule gewöhnt. Um 11:30 Uhr gibt es Mittagessen. In dieser Zeit gehe ich meistens zur Pause. Je nach Wetterlage gehen wir nach dem Mittagessen nach draußen, oder spielen drinnen. An zwei Tagen in der Woche gehen Deniz und ich nach dem Mittagessen zur Therapie. Bei schlechtem Wetter fahren wir mit dem Bus. Gegen 15 Uhr gibt es dann eine so genannte Schmausepause, bei der es für die Kinder Obst und manchmal auch Brote gibt. Nach der Schmausepause gehen wir fast immer in den Bewegungsraum. Deniz liebt es zu schaukeln. Gegen 16 Uhr wird Deniz abgeholt und ich habe Feierabend, wenn ich nicht noch in die Lebenshilfe zur Dienstbesprechung oder zur Administrativen Stunde muss.


Andrew über seine Betreuungssituation:

Hi! Ich bin Andrew, Zivi bei der Lebenshilfe Hamburg und betreue Peter an der Schule Bekkamp. Peter ist ein geistig behinderter Autist, der nicht reden kann, somit ist die Kommunikation zwischen uns beiden recht schwer. Peter scheint in seiner eigenen Welt zu leben und nimmt nur sehr wenig von der Außenwelt wahr, z.B. ist Blickkontakt mit Peter sehr selten, da andere Menschen für ihn total uninteressant sind. Mein Tagesablauf besteht darin, Peter während seiner Schulzeit zu begleiten und zu beschäftigen ,da er nicht am regulären Unterricht teilnehmen kann. Jeden Tag hole ich ihn vom Schulbus ab und begleite ihn in den Klassenraum.
Peter mag sehr gern alleine sein und dadurch sind wir meistens nicht im Klassenraum, sondern unterwegs. Wenn das Wetter nicht zu kalt war, waren wir meistens draußen auf dem Spielplatz und im Winter waren wir im Gymnastikraum, wo Peter sich austoben konnte. Ich hab nach einiger Zeit festgestellt, dass Peter ziemlich selbstständig ist, man muss ihn nur wiederholt auffordern etwas zu tun, weil er sonst sofort aufhört. Es war manchmal sehr frustrierend, wenn man ihn z.B. beim Sortieren 100 mal und damit meine ich 100 mal, sagen musste, dass es weiter geht oder beim Teller austeilen bei jedem einzelnen Teller sagen musste, dass er auf den Tisch kommt.
Den Toilettengang musste ich immer abschätzen, weil er mir nicht sagen konnte, wann er musste, aber ansonsten ist er ziemlich selbstständig beim Toilettengang. Windeln musste er nicht anhaben, aber man musste trotzdem dabei sein und aufpassen wenn er auf die Toilette ging. Ich konnte ihm nach einigen Monaten das Spucken abgewöhnen, was mich sehr gefreut hat. Peter scheint doch lernen zu können, zwar sehr langsam, aber mit sehr viel Geduld und Zeit ist es möglich, ihm einfache Sachen beizubringen. Deswegen finde ich es schade, dass ich nur 9 Monate Zeit hatte, um ihm Sachen beizubringen.
Peter ist sehr emotional, auch wenn die meisten es nicht sehen. Er hat z.B. Angst vor unbekannten Situationen, freut sich und lacht, wenn man in seine Welt eintaucht. Er erleidet ab und zu auch Wutausbrüche. Anfangs hatte ich versucht ihn aus seiner Dimension zu holen, was wenig Erfolg hatte. Es schien mehr zu helfen, wenn man in seine Welt eintauchte, z.B. wenn er mit seinem Fuß Sand oder Erde ausgräbt oder bei anderen Gewohnheiten mitmachte oder sie einfach anerkannte. Ich glaube, er hat mich sogar als guten Freund akzeptiert, da er manchmal sogar Blickkontakt herstellte und nickte, wenn ich ihn gefragt habe, ob wir Kumpels sind (das Wort „Kumpel“ ist ihm sehr vertraut da seine Mutter es oft sagt wenn sie mit ihm redet).
In der Zeit hab ich einige Polnische Wörter wie „Komm“ oder „Wie geht‘s dir?“ gelernt, weil er damit vertrauter ist als Pole. Wir waren auf Klassenreisen in einem Zimmer und waren somit auch Tag und Nacht zusammen, wo ich mich um alles kümmern musste, wie z.B. umziehen, duschen, Zähne putzen, schwimmen und Toilettengang. Ich muss schon sagen, dass es nicht immer einfach war, da es Zeiten gab, wo man Peter nicht gut genug verstanden hat und es dann kleine Katastrophen gab. Doch jetzt fühl ich mich echt wohl mit Peter und ich werde ihn sehr vermissen, wenn ich ihn nicht mehr betreue.


Marten über seine Betreuungssituation:

Ich betreue den 12-jährigen Imanuel. Er hat das Downsyndrom und leicht autistische Züge. Er spricht gar nicht und verständigt sich über die Gebärdensprache. Aus diesem Grund habe ich mir die wichtigsten Gebärden angeeignet, um mit ihm kommunizieren zu können. Seitdem macht es mir großen Spaß morgens in die Schule zu kommen, um mit ihm den Tag zu verbringen und ihn durch seinen Schulalltag zu begleiten. Er wird viel in die Klassengemeinschaft integriert und somit machen wir viele interessante aber auch lernorientierte Übungen, um seine Selbstständigkeit zu fördern. Am liebsten geht er in den Musikraum, um dort so viele Instrumente und Töne zu produzieren, wie eben möglich! Man sieht richtig wie er sich daran erfreut! Desweiteren liebt er das plantschen im Planschraum und den wöchentlichen Schwimmunterricht! Es ist wunderschön zu sehen, wie ein geistig behinderter Junge alltägliche Sachen erlernt und sie ausübt und ich kann es jedem empfehlen so eine Erfahrung einmal zu machen!